Die Spanische Grippe, die große Pandemie des 19. Jahrhunderts

Die Spanische Grippe ist in absoluten Zahlen mit dem Ausbruch der Pest von 1348 vergleichbar. Dieser fielen seinerzeit mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer.

Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass ihr vor allem Menschen mittleren Alters (20 bis 40) zum Opfer fielen, während Influenzaviren sonst besonders Kleinkinder und alte Menschen gefährden.

Der gleiche Untertyp des Influenza-Virus verursachte 1977/78 einen weiteren Ausbruch (russische Grippe) und 2009 die sogenannte Schweinegrippe. Ihren Namen erhielt die Spanische Grippe aufgrund der Tatsache, dass die ersten Nachrichten über die Seuche aus Spanien kamen.

Insgesamt trat die Grippe in drei Wellen auf: Die erste im Frühjahr 1918, die zweite im Herbst 1918 und in einer letzten großen Welle im Jahr 1919. Hierbei wiesen lediglich die zweite und dritte Welle eine signifikant erhöhte Todesrate auf. Besonders auffällig war auch der geringe Abstand zwischen den einzelnen Wellen, da sonst bis zu 9 Monate zwischen mehreren in Verbindung stehenden Influenzawellen liegen. Alleine in Indien fielen mehr als 17 Millionen Menschen der Grippe zum Opfer.

Aufgrund des heftigen Krankheitsverlaufes wurden zahlreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehörten unter anderem die Einführung der Quarantäne und Empfehlungen für besondere Hygiene durch die Gesundheitsbehörden. Hierzu zählten das Meiden von Menschenmengen, die Reinlichhaltung von Mund, Haut und Kleidern und die ständige Versorgung durch Frischluft mittels offener Fenster. Es kursierten auch fragwürdige Therapievorschläge wie Feigensirup oder Eukalyptussalbe als Heilmittel, welche sogar durch Zeitungsannoncen beworben wurden.

In vielen am ersten Weltkrieg beteiligten Staaten wurde die Spanische Grippe als Kriegsseuche eingestuft. Allerdings trat sie auch in neutralen Staaten wie z.B. Spanien und der Schweiz auf. Auch die Vermutung, dass sie auf Mangelernährung zurückzuführen sei, war nicht zu halten, da auch und insbesondere gut genährte Menschen von ihr betroffen waren. Sie forderte zahlreiche prominente Todesopfer. Unter ihnen waren Rose Cleveland, Sophie Freud, Margit Kafka oder Mark Sykes.